Was ist jôdo-buddhistisch gesehen wichtig in der Vorbereitung auf den Tod?

Während man in den buddhistischen Sanghas und Lehren vor Hônen Shonin (1133-1212) besonderen Wert auf den geistigen Zustand im Moment des Sterbens legte, revolutionierte Hônen Shonin in dieser Hinsicht den Buddhismus: nach seiner Lehre soll man im Laufe seines Lebens täglich möglichst oft das Nenbutsu „Namu Amida Butsu“ („Ich nehme Zuflucht zu Amitabha Buddha“) rezitieren, denn schon nach zehn Wiederholungen zu Lebzeiten ist sichergestellt, dass man nach dem Tod in das Reine Land Amida Buddhas hinüber geboren wird. Dies hatte Amida Buddha als Bodhisattva Dharmakara zur Erlangung seiner Buddhaschaft geschworen.


Hônens Lebzeiten waren in Japan sehr kriegerisch, und so kamen viele Krieger zu ihm, die sich Sorgen machten, wohin sie gehen würden, wenn sie im Kampf auf dem Schlachtfeld in einem chaotischen und aufgewühlten Geisteszustand gehen würden. Honen beruhigte sie, indem er ihnen nahelegte, während ihres Lebens das Nenbutsu zu rezitieren, denn dann spielt der Geisteszustand im Moment des Todes keine Rolle mehr.


Auch heute noch sterben viele Menschen ganz plötzlich und unerwartet, oder mit so vielen Schmerzen, dass sie sich überhaupt nicht mehr konzentrieren oder geistig Fassung erlangen können. Diesen Menschen ist der Stress genommen, indem sie einfach – so lange sie noch können – das Nenbutsu rezitieren. Manche Menschen fangen damit erst auf dem Sterbebett an, aber nach Honen Shonins Lehre genügt selbst das. Wenn man auf dem Sterbebett jemanden hat, der einem das Nenbutsu nahebringt, und zum ersten Mal in seinem Leben das Nenbutsu rezitiert, dann ist einem schon die Geburt in Amidas Reines Land sicher.


Wenn wir uns schon zu Lebzeiten durch die Rezitation des Nenbutsu mit dem Tod auch geistig-emotional beschäftigen, wird der Tod natürlicher Bestandteil unseres Lebens. Diese spirituelle Grundlage hilft einem auch dabei, praktische Vorbereitungen wie das Verfassen einer Patientenverfügung oder Vollmachten rechtzeitig zu treffen.


Zu einem schönen Leben gehört ein schöner Tod. Dies kann man durch die permanente Nenbutsu-Rezitation zu Lebzeiten erreichen, egal, in welchem Zustand man zum Zeitpunkt des Todes ist. Diese lebenslange Praxis macht aus Honens Sicht eine spirituelle Sterbebegleitung zum Ende des Lebens überflüssig, den die/der Sterbende steht bereits zeit ihres/seines Lebens in direktem Kontakt mit Amida Buddha und sichert so seine Aufnahme in das Reine Land nach dem Tod in dieser Welt.
Aus diesem Grunde gehen Jodo-Buddhisten sehr gelassen mit ihrem eigenen Tod um, denn es gibt nichts, um das man sich Sorgen machen muss. Die Rezitation des „Namu Amida Butsu“ genügt völlig als spirituelle Vorbereitung auf den Tod. Alles andere überlassen wir Amida Buddha.

Nach Honens Lehre sollte man den Wunsch des Kranken oder Sterbenden respektieren, auch wenn jemand z.B. auf keinen Fall wünscht, dass lebenserhaltende Maßnahmen zu einem gewissen Zeitpunkt abgestellt werden. Ob jemand tatsächlich sterbenskrank ist oder Aussicht auf Heilung hat – man sollte in spiritueller Hinsicht einfach immer wieder das „Namu Amida Butsu“ rezitieren und auf die „andere“ Kraft des Amida Buddha vertrauen.
Die Geburt in Amidas Reines Land ist so oder so sicher, ob man nun jetzt gehen muss oder geheilt wird und noch länger weiterleben kann.

Man sollte den Tod nicht als ein „Versagen“ betrachten. Honen Shonins Zeitgenossen hatten oft ein hartes Leben mit vielen Entbehrungen, Schmerzen, Kämpfen und Krankheiten. Die meisten Menschen hatten nicht die Möglichkeit, sich eine buddhistische Zeremonie am Sterbebett oder eine Beerdigungszeremonie zu leisten. Heutzutage erlaubt die Situation z.B. in Krankenhäusern oftmals leider nicht die Durchführung einer größeren Zeremonie mit Rezitationen usw. Diesen Menschen verschafft Honen Trost, indem er lehrte, dass nur das Nenbutsu ausreicht und es keiner großen Zeremonie bedarf, um einen „schönen Tod“ zu haben und sich keine Sorgen um das „danach“ machen zu müssen, auch wenn sie unter Schmerzen starben oder einen plötzlichen Tod erlitten.